Geschmack & Charakter
Im Glas zeigt Lambrusco meist viel rote und dunkle Frucht, oft Kirsche, Brombeere, Pflaume und je nach Ausbau auch etwas Veilchen oder eine leicht herbe, traubige Note; die Frucht steht klar im Vordergrund. Die Säure ist in der Regel frisch bis lebhaft und gibt auch den süßeren Varianten Zug, während die Gerbstoffe bei roten Lambruschi meist niedrig bis mittel bleiben und eher als feiner Griff wirken als als echtes Tannin. Der Körper ist leicht bis mittel, schon wegen des oft moderaten Alkohols um 7,5 Prozent, dazu kommt der Frizzante-Druck, der das Ganze saftig und direkt wirken lässt. Trocken ausgebaute Versionen enden eher herzhaft, mit kurzer bis mittlerer Länge und leicht bitterem Kern, amabile oder dolce wirken runder, weicher und fruchtbetonter im Nachhall. Die dominante Aromenfamilie ist klar dunkelrot-fruchtig bis blaufruchtig, oft ergänzt von floralen Tönen und einer kleinen, angenehm rustikalen Würze.
Anbau & Region
Lambrusco sitzt klar in der Emilia, vor allem rund um Modena und Reggio Emilia, mit wichtigen Herkünften wie Lambrusco di Sorbara DOC nördlich von Modena, Grasparossa di Castelvetro DOC in den Hügeln südlich der Stadt und Reggiano DOP um Reggio, wie bei euren Casali-Weinen. In der flachen Po-Ebene mit ihren tiefen Schwemmland-, Ton- und Sandböden bleiben die Weine saftig, leicht und sehr trinkig; Sand bringt oft hellere Farbe und mehr Duft, Ton mehr Frucht und etwas mehr Griff. Das sieht man gut an Sorbara auf lockeren, sandig-alluvialen Böden: eher blass, floral, zitrisch, lebendige Säure, oft schlanker gebaut. Weiter südlich in Castelvetro auf kalkhaltig-tonigen Hügelböden wird Grasparossa dunkler, herber und strukturierter, mit mehr Gerbstoff und oft Noten von Schwarzkirsche und Veilchen. Reggiano ist stilistisch breiter, weil die Zone groß ist: auf den fruchtbaren Ebenen entstehen häufig unkomplizierte, fruchtbetonte frizzante Weine, trocken bis dolce, mit wenig Alkohol und genau diesem kernigen, leicht bitteren Schluss, der Lambrusco so nützlich am Tisch macht.
Passt zu
Lambrusco ist stark am Tisch, weil Frische, leichte Gerbstoffe und die Perlage viel wegräumen: zu Tortellini in brodo bringt er Spannung in die milde Brühe, zu Lasagne al forno nimmt die Säure dem Ragù und der Béchamel die Schwere. Ein trockener Lambrusco funktioniert sehr gut zu Cotechino mit Linsen oder zu Zampone, weil Kohlensäure und Säure durch das Fett schneiden und das Eiweiß die herbe Seite des Weins abfedert. Auch zu Pizza mit Salsiccia oder zu Tagliatelle al ragù ist das stimmig: wenig Alkohol, saftige Frucht und Frizzante halten den Bissen lebendig statt ihn zu erschlagen. Die amabile oder dolce Variante mag Mortadella, Prosciutto cotto und würzige Salami, weil ein Rest Süße Salz und leichte Schärfe auffängt. Überraschend gut ist Lambrusco außerdem zu Parmigiano Reggiano und frittierten Zucchiniblüten, denn Salz, Umami und Knusper brauchen eher Zug und Frische als Wucht.


