Geschmack & Charakter
Im Glas wirkt die Negra Mole weich gebaut, mit eher milder Säure und nur wenig Gerbstoff, falls sie überhaupt als Rotwein ausgebaut ist. Der Körper liegt meist im leichten bis mittleren Bereich, der Alkohol kann aber spürbar höher ausfallen, wie man es von Madeira kennt. Aromatisch steht die dunkle, reife Frucht vorn, oft mit Anklängen von Trockenfrüchten, etwas Gewürz und einer warmen, leicht oxidativen Note. Die Textur ist rund und glatt, nicht kantig, eher auf Schmelz als auf Griff gebaut. Im Nachhall bleibt vor allem die süßlich-würzige Frucht stehen, begleitet von einer merklichen Wärme.
Anbau & Region
Negra Mole ist eine alte rote Sorte von Madeira D.O.C. und wächst vor allem an den warmen, unteren bis mittleren Hängen der Insel, oft in Küstennähe, wo der Atlantik die Hitze etwas bremst. Die Weinberge stehen auf jungen vulkanischen Böden aus Basalt und Tuff; die sind meist steinig, gut drainiert und eher nährstoffarm, was kleine Erträge und konzentrierte, eher helle Frucht begünstigt statt üppiger Fülle. Dazu kommt das feuchte, windige Inselklima mit viel Luftbewegung: gesundes Lesegut ist nie selbstverständlich, aber die lange Vegetationszeit hilft, Zucker aufzubauen und zugleich eine salzige, leicht herbe Frische zu halten. In Madeira-Weinen wie einem Fine Rich landet Negra Mole oft nicht sortenrein, sondern als Teil einer Cuvée; ihr Beitrag ist meist weiche rote Frucht, milde Gerbstoffe und eine zugängliche, rundere Seite. Der vulkanische Untergrund und die maritime Lage drücken den Stil dabei eher in Richtung Würze, Nuss und eine feine rauchige Kante als in Richtung dunkler, schwerer Frucht.
Passt zu
Zu Negra Mole und dem Stil eines Fine Rich Madeira wie Justino’s passen Gerichte mit Schmorwürze, Röstaromen und einem leicht süß-salzigen Zug. Sehr gut funktioniert Ossobuco: Die dichte Sauce, das Kollagen und die herzhafte Tiefe werden von der Süße aufgefangen, während die frische Säure den Mund wieder aufzieht. Auch Entenbrust mit Pflaumensauce ist stimmig, weil Frucht und leichte Bitternoten des Weins an die Sauce andocken und der Alkohol genug Kraft für das Fett mitbringt. Überraschend gut ist gegrillte Forelle mit brauner Butter und Mandeln, wenn sie kräftig geröstet ist: Salz, Nussigkeit und Karamelltöne finden im Madeira ein Echo, die Säure hält das Ganze lebendig. Zum Schluss noch ein Stück gereifter Blauschimmelkäse mit Walnüssen – Salz und Würze schieben die Süße nach vorn, ohne dass der Wein klebrig wirkt.
