Bordeaux, Lussac-Saint-Émilion.
Weine aus Bordeaux, Lussac-Saint-Émilion: Terroir, Stil & Empfehlungen
Lussac-Saint-Émilion liegt im Libournais, nordöstlich der Stadt Bordeaux, auf dem rechten Ufer der Dordogne.
Charakter & Stil
Lussac-Saint-Émilion bringt meist rotfrucht bis dunkel fruchtige Bordeaux-Weine ins Glas, oft mit Pflaume, Schwarzkirsche, etwas Cassis und dazu erdigen Noten wie feuchte Erde, Tabak oder Zedernholz. Die Säure ist in der Regel mittel, das Tannin spürbar, aber meist runder und weniger kantig als in vielen Weinen vom linken Ufer, der Körper liegt eher im mittleren bis kräftigen Bereich, Alkohol wirkt oft moderat bis mittelhoch. Dass Merlot hier meist den Ton angibt, merkt man an der weicheren Frucht und dem breiteren Mundgefühl; Cabernet Sauvignon bringt Struktur und einen trockeneren Griff dazu. Im Unterschied zu strafferem Médoc oder kühler wirkenden, gerbstoffbetonteren Cabernets wirkt Lussac-Saint-Émilion oft etwas direkter, dunkler in der Frucht und früher zugänglich, ohne deshalb leicht zu sein. Ein Wein wie Château La Perrière Lussac 2005 mit Merlot und Cabernet Sauvignon bei 12,5 % passt gut in dieses Bild: reife dunkle Frucht, erdige Würze, mittlerer bis fester Griff.
Lagen & Sub-Regionen
Lussac-Saint-Émilion ist selbst schon die Appellation AOC; darunter gibt es keine offiziell abgegrenzten Sub-Appellationen wie in manchen anderen Teilen von Bordeaux. Relevant ist eher die Nachbarschaft zu den anderen Satelliten von Saint-Émilion: Montagne-Saint-Émilion, Puisseguin-Saint-Émilion und Saint-Georges-Saint-Émilion, dazu natürlich das Kerngebiet Saint-Émilion AOC direkt südlich. Innerhalb von Lussac unterscheiden eher die Böden und leicht welligen Lagen den Stil: viel Kalk und Kalkmergel, dazu Ton und sandigere Partien, was mal straffere, frischere, mal rundere, frühere Weine bringt. Typisch ist Merlot als Hauptrebsorte, oft ergänzt von Cabernet Sauvignon oder Cabernet Franc; das ergibt meist dunkle Frucht, weiche Tannine und etwas mehr Bodenhaftung als in ganz einfachen Bordeaux. Gegenüber dem prestigeträchtigeren Saint-Émilion selbst wirkt Lussac oft etwas bodenständiger, mit ähnlicher Grundrichtung, aber meist weniger Dichte und weniger Preisballast.
Passt zu
Zu einem Lussac-Saint-Émilion wie Château La Perrière 2005 mit Merlot und Cabernet Sauvignon liegen geschmortes Lamm mit Knoblauch und Kräutern, Entenbrust mit wenig Süße in der Sauce oder ein schlichtes Rindersteak mit Schalotten sehr nah: genau diese Art herzhafter, bordelaiser Küche trägt die Mischung aus reifer Frucht, Tannin und gereifter Würze gut. Das Tannin bindet Eiweiß, deshalb wirkt das Fleisch saftiger und der Wein ruhiger; zugleich schneidet die Säure durch Fett und Sauce, damit nichts schwer wird. Sehr stimmig ist auch Entrecôte mit Bordeaux-Sauce oder Cèpes, weil die erdigen, leicht tabakigen Reifetöne eines 2005ers daran andocken. Weniger passend wäre gegrillter Wolfsbarsch, dafür ist die Struktur meist zu kräftig; wenn es etwas Deftiges aus dem Alltag sein soll, funktioniert sogar Saumagen besser, vor allem gebraten, weil Röstaromen und Würze dem Wein mehr geben als feiner Fisch. Auch Ossobuco kann gut gehen, wenn es klassisch geschmort ist: Gelatine, Mark und lange gekochte Sauce puffern das Tannin und holen die warme, gereifte Seite des Weins nach vorn.
