Bordeaux, Pomerol.
Weine aus Bordeaux, Pomerol: Terroir, Stil & Empfehlungen
Pomerol liegt im rechten Ufer von Bordeaux, östlich der Stadt Libourne, auf einem kleinen Plateau ohne große Höhenunterschiede.
Charakter & Stil
Pomerol im Glas heißt meist: viel Merlot, oft mit etwas Cabernet Franc, also dunkle Pflaume, Schwarzkirsche, Brombeere und dazu oft Veilchen, Kakao, etwas Zedernholz und diese typische, leicht erdige Trüffel-Note. Die Säure ist eher mittel und wirkt selten spitz, die Tannine sind spürbar, aber meist feiner und runder als im Médoc, der Körper voll bis satt, Alkohol oft im mittleren bis etwas höheren Bereich, wie bei den 13,5 % der Weine im Sortiment. Anders als viele Cabernet-geprägte Bordeaux von der linken Seite wirkt Pomerol weniger auf Cassis, Graphit und strenges Gerüst gebaut, sondern druckvoller aus der Mitte heraus, weicher im Einstieg und früher zugänglich, ohne gleich leicht zu werden. Gegenüber Saint-Émilion fehlt oft das kalkig-kühle Moment; Pomerol zeigt häufiger dunklere Frucht, mehr Erde und mehr Samt als Kreide. Bei Weinen wie Château Grange-Neuve oder Château Vieux Chevrol darf man deshalb eher Pflaume und schwarze Kirsche als rote Johannisbeere erwarten, mit einem Mundgefühl, das breit ansetzt und lange auf dunkler Frucht und trockenem, feinem Tannin stehen bleibt.
Lagen & Sub-Regionen
Pomerol ist selbst schon die Appellation, AOC Pomerol, und anders als im Médoc gibt es hier keine offizielle Grand-Cru-Klassifikation und keine fein ausgebauten Sub-Appellationen innerhalb des Gebiets. Entscheidend sind eher die kleinen Orts- und Bodenunterschiede: Das zentrale Plateau um den Ort Pomerol mit seinem berühmten blauen Ton und eisenhaltigen Unterböden bringt oft die dichtesten, tiefsten und langlebigsten Weine. Richtung Westen und Nordwesten nehmen Kies und sandigere Böden zu; die Weine wirken dort meist etwas früher zugänglich, leichter im Tannin und weniger massiv. An den Rändern, besonders in Richtung Lalande-de-Pomerol, wird es stellenweise sandiger und kühler im Ausdruck, was man oft in schlankerer Frucht und etwas weniger Druck im Mund merkt. Stilistisch bleibt Pomerol klar auf Merlot gebaut, meist mit Cabernet Franc ergänzt: wenig Show, viel Textur, dunkle Frucht, oft ein erdiger, trüffeliger Ton mit Reife.
Passt zu
Pomerol mit Merlot und etwas Cabernet Franc ruft nach Gerichten mit Substanz, nicht nach Leichtgewicht: Entenbrust mit Steinpilzen, Lammkoteletts vom Grill oder ein klassisches Rinderfilet mit Schalotten funktionieren sehr gut. Regional ist das naheliegend, denn im Bordelais stehen oft Entengerichte, Lamm aus dem Südwesten und schlicht gebratenes Rind auf dem Tisch. Der Wein bringt dunkle Frucht, reife Tannine und genug Frische mit, um Eiweiß und Röstaromen aufzunehmen, ohne das Gericht trocken wirken zu lassen. Zu Ossobuco klappt das ebenfalls, weil das geschmorte Kalbfleisch und das Mark dem Tannin etwas zu tun geben, während die Säure des Weins durch die sämige Sauce schneidet. Gegrillter Wolfsbarsch wäre meist zu fein für Pomerol, Saumagen kann dagegen gut gehen, wenn er kräftig gebraten ist: Dann greifen die Kruste und das würzige Fett die Frucht und die Struktur des Weins auf.

