Charakter & Stil
Navarra bringt meist trockene, klare Rotweine ins Glas, oft mit mittlerem bis kräftigem Körper, spürbarem Alkohol und einer Säure, die mehr Frische hält als in vielen heißeren Teilen Spaniens. In eurem Sortiment zeigt sich das vor allem über Syrah und Garnacha: dunkle Frucht wie Brombeere, schwarze Kirsche und Pflaume steht vorne, dazu häufig Kräuter, Pfeffer und ein erdiger, manchmal leicht steiniger Zug. Die Tannine sind in der Regel präsent, aber nicht hart, eher körnig als massiv, was den Weinen Druck gibt, ohne sie schwerfällig zu machen. Im Unterschied zu Rioja wirkt Navarra oft weniger vom Ausbau geprägt und direkter in der Frucht; im Vergleich zu Priorat fehlt meist die wuchtige Dichte und die warme Süße. Ein Wein wie Lucky Wines Loop Navarra 2016 zeigt diese sonnigere Seite gut: reife Garnacha-Frucht, mehr Alkohol, saftiger Kern, aber noch mit genug Frische, damit das nicht kippt.
Lagen & Sub-Regionen
Navarra ist selbst die Appellation, genauer D.O. Navarra, und sie ist in fünf klassische Subzonen gegliedert: Valdizarbe, Tierra Estella, Ribera Alta, Ribera Baja und Baja Montaña. Der Unterschied läuft vor allem über Höhe, Atlantik- vs. Mittelmeereinfluss und Wasserstress: Im Norden und Nordwesten, also etwa in Valdizarbe und Tierra Estella, ist es etwas kühler und frischer, oft mit Kalk- und Mergelböden; dort wirken die Weine meist straffer und heller. Richtung Süden und Südosten, in Ribera Alta und besonders Ribera Baja, wird es heißer und trockener, die Ebro-Nähe und alluviale, teils kalkige oder tonige Böden bringen reifere, kräftigere Weine mit mehr Alkohol und dunklerer Frucht. Baja Montaña liegt höher im Osten, mit größerer Tag-Nacht-Spanne; Garnacha fühlt sich dort traditionell wohl und bekommt oft Würze und Frische trotz warmer Jahre. Neben der D.O. Navarra liegt mit D.O.Ca. Rioja im Westen ein wichtiger Nachbar, aber innerhalb Navarras selbst ist diese Nord-Süd-Spannung der Kern der Herkunft.
Passt zu
In Navarra landen zu kräftigen Roten wie Syrah oder Garnacha oft Lammkoteletts vom Grill, Chistorra aus der Pfanne oder Cordero al chilindrón auf dem Tisch, und genau da fühlen sich diese Weine wohl. Das Eiweiß und das Fett im Lamm oder in der grob gewürzten Wurst fangen Tannin und Alkohol ab, der Wein wirkt ruhiger und saftiger. Zu einem Schmorgericht wie Ossobuco klappt das ebenfalls gut: Die Gelatine und die Tiefe der Sauce geben dem Wein Halt, während seine Säure das Gericht nicht schwer werden lässt. Wenn der Navarra-Wein etwas schlanker oder würziger ausgebaut ist, funktioniert auch Saumagen erstaunlich gut, weil Röstaromen und herzhafte Würze die dunkle Frucht stützen. Gegrillter Wolfsbarsch ist eher die Paarung für die weißen Seiten der Region, denn bei einem kräftigen roten Navarra würde der feine Fisch schnell untergehen.
