Charakter & Stil
Sardinien zeigt im Glas meist zwei klare Gesichter: Vermentino wirkt trocken, salzig und frisch, mit mittlerer Säure, eher schlank bis mittlerem Körper und Aromen von Zitrus, weißem Steinobst, Kräutern und oft einer leicht herben Meeresbrise; Cannonau bringt mehr Wärme, mehr Alkohol und einen runderen Körper, dazu eher weiche bis mittlere Tannine und Frucht von Kirsche, Pflaume, getrockneten roten Beeren und mediterranen Kräutern. Insgesamt ist die Frucht oft weniger kühl und saftig als in nördlicheren Regionen, dafür reifer, sonnengeprägt und würziger. Gerade bei Cannonau fällt der Alkohol nicht selten höher aus, wie bei der Redit Riserva mit 15 %, ohne dass der Wein automatisch schwer wirken muss. Im Vergleich zu Vermentino aus Ligurien oder der Toscana wirkt sardischer Vermentino meist breiter, kräuteriger und salziger; im Vergleich zu Grenache aus Südfrankreich zeigt Cannonau oft weniger Süße im Duft und mehr herbe Garrigue-Noten. Das Ergebnis sind Weine mit Sonne im Kern, aber fast immer auch einem trockenen, leicht salzigen Zug, der sie klar von vielen ähnlich warmen Regionen absetzt.
Lagen & Sub-Regionen
Sardinien ist kein fein parzelliertes Labyrinth wie Burgund, aber die Unterschiede zwischen den Zonen sind deutlich: wichtig sind vor allem Vermentino di Gallura DOCG im Nordosten, Alghero DOC im Nordwesten, Cannonau di Sardegna DOC als inselweite Herkunft und dazu größere IGT-Räume wie Isola dei Nuraghi IGT. Im Nordosten rund um Gallura prägen Granitverwitterungsböden, Wind und viel Licht den Stil; Vermentino wirkt hier oft salziger, straffer und etwas kantiger als anderswo auf der Insel. Im Nordwesten um Alghero, wo auch Santa Maria La Palma sitzt, ist der maritime Einfluss stark, die Böden sind gemischt, und neben Vermentino und Cannonau spielen auch internationale Sorten eine Rolle, was man in Alghero DOC immer wieder sieht. Cannonau di Sardegna DOC zieht sich dagegen über große Teile der Insel, mit sehr verschiedenen Gesichtern: in wärmeren, trockeneren Lagen oft reifer, voller und alkoholstärker, in höheren oder windoffeneren Zonen etwas kräuteriger und fester. Dazu kommen lokale Herkünfte wie Monica di Sardegna DOC, Nuragus di Cagliari DOC oder Carignano del Sulcis DOC im Südwesten, wo sandige Küstenböden und Meeresnähe meist weichere, dunklere und oft sehr saftige Rotweine ergeben.
Passt zu
Zu sardischen Weinen liegt die Küche der Insel nahe: Cannonau wie der Redit Riserva 2019 oder Le Bombarde 2023 trägt Porceddu, also langsam gebratenes Spanferkel, sehr gut, weil Alkohol, reife Frucht und Gerbstoff mit Fett, Röstaromen und Eiweiß arbeiten statt daran abzuprallen. Auch zu malloreddus alla campidanese, den sardischen Gnocchetti mit salsiccia und Tomatensauce, passt das gut, denn die Säure der Sauce nimmt dem kräftigen Rotwein nichts weg und der Wein gibt der würzigen Wurst Halt. Vermentino wie Akenta Cuvée 2024 oder Aragosta 2024 ruft nach gegrilltem Wolfsbarsch, Bottarga auf Pasta oder fregola con arselle; Salz, Meeresjod und oft ein kleiner Bitterton im Gericht finden in der Frische und der herben, mineralischen Art des Weins einen sauberen Gegenspieler. Der Rosé aus Alghero ist stark bei Thunfisch vom Grill oder einer zuppa gallurese, weil er genug Frucht für Würze mitbringt, aber frisch genug bleibt, um Fett und Salz nicht schwer wirken zu lassen.