Geschmack & Charakter
Gamay noir zeigt im Glas meist rote Frucht zuerst: Kirsche, Himbeere, Johannisbeere, oft dazu etwas Veilchen und manchmal ein pfeffriger oder kräuteriger Zug. Die Säure ist in der Regel klar und saftig, sie zieht den Wein nach vorn und hält ihn trinkig, ohne scharf zu wirken. Tannin ist meist niedrig bis moderat, eher fein und wenig trocknend, der Körper liegt oft im leichten bis mittleren Bereich. Beim Alkohol kann Gamay erstaunlich unterschiedlich ausfallen: klassisch eher moderat, in wärmeren Jahren oder reiferen Lesestilen aber auch spürbar kräftiger, wie die 13 bis 14,5 % in den genannten Beaujolais zeigen. Der Nachhall bleibt meist auf der fruchtigen Seite, mittellang, mit einem frischen, manchmal leicht steinigen oder würzigen Ausklang.
Anbau & Region
Gamay noir ist zu Hause vor allem im Beaujolais südlich von Mâcon, also in den Appellationen Beaujolais und Beaujolais-Villages sowie in den zehn Crus wie Morgon, Fleurie oder Moulin-à-Vent. Im Norden des Gebiets steht die Rebe oft auf Granit, Schiefer und sandigen Verwitterungsböden: Das gibt helle, direkte Frucht, Pfeffer, oft auch Veilchen, dazu wenig Tannin und einen saftigen Zug. Weiter südlich, wo in der AOC Beaujolais mehr Lehm und Kalk dazukommen, werden die Weine runder, weicher und einfacher auf Frucht gebaut, oft mit Kirsche und einer leicht bonbonartigen Note. In den Crus zeigt der Boden sehr konkret seinen Stempel: Morgon auf verwittertem Schiefer und vulkanischem Gestein wirkt dunkler und erdiger, Moulin-à-Vent auf Granit und manganhaltigen Böden straffer und würziger, Fleurie auf rosa Granit feiner und floraler. Außerhalb des Beaujolais spielt Gamay auch an der Loire mit, etwa in den AOC Touraine und Anjou, wo kühlere Lagen und kalkige oder kiesige Böden die Weine leichter, frischer und herber erscheinen lassen.
Passt zu
Gamay noir mag Essen mit Saft, Salz und nicht zu viel Schwere. Sehr gut klappt gegrillte Forelle mit Kräuterbutter: die frische Säure hält die Butter im Zaum, die zarte Gerbstoffstruktur überfährt den Fisch nicht, und die roten Fruchtaromen greifen die Röstaromen vom Grill schön auf. Auch ein Teller Charcuterie mit Jambon persillé, Saucisson und Cornichons funktioniert, weil Säure und saftige Frucht das Fett und Salz auffangen, während die leichte Würze des Weins die Kräuter und Gewürze im Essen spiegelt. Zu Coq au vin oder Hähnchen aus dem Ofen mit Pilzen passt Gamay ebenfalls gut, weil er genug Frische für die Sauce mitbringt, aber weich genug bleibt, um das zarte Fleisch nicht hart wirken zu lassen. Wenn es deftiger sein darf: Ossobuco ohne zu schwere Tomatensüße, denn die Säure schneidet durch Mark und Schmorsaft, und die niedrigen bis mittleren Tannine packen das Eiweiß, ohne den Schmorcharakter trocken zu ziehen.


