Geschmack & Charakter
Muscat d’Alexandrie zeigt im Glas meist eine sehr offene, duftige Aromatik, mit klarer Dominanz von weißen Blüten, Traubenmost, Zitrusschale und oft etwas Aprikose oder kandierter Orange. Die Säure ist in der Regel eher mild bis mittel und wirkt rund statt straff, dadurch steht die Frucht schnell weit vorne. Tannin spielt praktisch keine Rolle, der Körper liegt je nach Ausbau zwischen leicht und mittel, bei süßen Rivesaltes-Versionen durch Zucker und Alkohol deutlich voller und öliger, bei trockenen Varianten schlanker, aber immer mit weicher Kontur. Der Alkohol ist oft spürbar, gerade bei vin doux naturels mit 15,5 bis 16 %, wo er Wärme und Druck in die Mitte des Gaumens bringt. Im Nachhall bleibt meist ein parfümierter Eindruck von Muskat, Blüten und Zesten stehen, bei Süßwein länger und dichter, bei trockenen Weinen kürzer und frischer.
Anbau & Region
Muscat d’Alexandrie steht in Frankreich besonders im Roussillon gut da, rund um die AOP Muscat de Rivesaltes und die größere AOP Rivesaltes, oft zwischen Küste, Albera-Ausläufern und den trockenen Ebenen um Perpignan. Das mediterrane Klima mit viel Sonne, Wind und wenig Sommerregen bringt sehr reife Trauben mit viel Zucker, deshalb entstehen hier klassische vins doux naturels mit üppiger Frucht, Orangenblüte, Traubenmost, kandierter Zitrus und oft einer leicht herben Orangenschalen-Note. Auf kargen Schiefer-, Kalk- und steinigen Lehmböden bleiben die Erträge eher im Zaum; Schiefer gibt oft mehr Würze und trockenen Zug, Kalk hält die Säure etwas straffer, was gerade bei süßen Versionen wichtig ist, damit sie nicht breit wirken. Daneben taucht die Sorte im Languedoc auch als trockener IGP-Wein auf, etwa unter IGP Côtes Catalanes: dort sorgt dieselbe Sonne für expressive Aromatik, aber wenn die Lese früh genug kommt und die Böden mager bleiben, wirkt der Wein weniger opulent und eher nach frischer Muskattraube, weißen Blüten und Zitruszeste als nach Dessert. Kurz gesagt: warmes, windiges Südfrankreich plus arme, steinige Böden ergibt bei Muscat d’Alexandrie entweder süße, aromatisch dichte Weine mit Lift oder trocken ausgebaute, duftige Weine mit erstaunlich viel Frische.
Passt zu
Muscat d’Alexandrie kann zwei sehr unterschiedliche Richtungen: trocken wirkt er oft duftig, weich und frisch genug für gegrillte Forelle mit Fenchel und Zitrone, weil die aromatische Frucht die Anisnote vom Fenchel aufnimmt und die Säure das Öl und die Röstaromen sauber hält. Auch zu Couscous mit Aprikosen, Kichererbsen und Ras el-Hanout funktioniert ein trockener Muscat gut, weil seine floralen Noten mit den Gewürzen arbeiten, ohne gegen die Süße der Trockenfrucht stumpf zu werden. Die süße, aufgespritete Variante aus Rivesaltes ist stark zu Roquefort oder Fourme d’Ambert: Salz und Würze des Käses ziehen die Frucht nach vorn, die Süße puffert die Schärfe und den Edelschimmel. Ebenso gut passt sie zu Aprikosen-Tarte oder Pfirsich vom Grill mit etwas Mandel, weil der Wein die Frucht nicht überzuckert, sondern ihre reifen, blumigen Töne spiegelt. Wenn es herzhaft und süß zugleich sein soll, ist auch Entenleber auf geröstetem Brioche stimmig, denn Textur, Salz und Süße greifen hier direkt ineinander.


