Geschmack & Charakter
Nero d’Avola bringt meist dunkle Frucht ins Glas, vor allem Schwarzkirsche, Pflaume und reife Brombeere, oft ergänzt von etwas Kräuterwürze, Lakritz oder einem leicht erdigen Ton. Die Säure ist in der Regel mittel und eher rund als spitz, genug für Zug, aber nicht auf Frische getrimmt. Dazu kommen mittlere bis kräftige Tannine, die spürbar trocken greifen, dabei aber selten hart wirken, wenn die Trauben sauber ausgereift sind. Im Körper liegt die Sorte meist im mittleren bis vollen Bereich, mit oft 13,5 bis 14 Volumenprozent Alkohol, was Wärme und Druck am Gaumen mitbringt. Der Nachhall ist häufig von dunkler Frucht, Gewürzen und einem herben, leicht balsamischen Echo geprägt.
Anbau & Region
Nero d’Avola ist auf Sizilien zu Hause, besonders im Südosten rund um Noto, Avola und Pachino sowie in den DOC- und IGP-Zonen Sicilia DOC und Terre Siciliane IGP; dort steht die Sorte oft auf kalkhaltigen, teils lehmigen Böden, die Wasser etwas halten und den Weinen trotz Hitze Substanz und einen dunklen, saftigen Kern geben. In den warmen Küstenlagen reifen die Trauben sehr sicher aus, was viel schwarze Kirsche, Pflaume, oft auch Kräuterwürze und einen weichen, vollen Mund ergibt. Wo mehr Kalk im Boden ist, wirkt Nero d’Avola straffer und bekommt mehr Zug, statt nur Breite zu zeigen. In höheren, etwas kühleren Zonen im Inselinneren, wie sie auch für Sicilia DOC genutzt werden, bleibt die Säure frischer und die Frucht eher rot als gekocht. Sandigere Böden bringen oft leichtere, duftigere Versionen, während schwererer Lehm mehr Dichte, Alkohol und ein erdigeres Tanninbild fördert.
Passt zu
Nero d’Avola mag Gerichte mit Röstung und saftigem Kern, zum Beispiel Ossobuco mit Tomate und Kräutern oder Lammkoteletts vom Grill. Die dunkle Frucht und die oft warme Würze tragen geschmortes Fleisch gut, während das Tannin an Eiweiß andockt und den Wein ruhiger wirken lässt. Auch Pasta alla Norma funktioniert sehr gut: Die Säure der Tomate hält den Wein frisch, und die gebratene Aubergine nimmt seine herzhafte Seite auf. Wenn der Nero d’Avola eher jung und fruchtbetont ist, passt auch eine Pizza mit Salsiccia oder eine Lasagne al forno, weil Fett und Röstaromen dem Wein Halt geben. Weniger naheliegend, aber gut: gegrillter Thunfisch mit Kapern und Oliven, weil die fleischige Textur des Fischs dem Tannin etwas entgegensetzt und die salzige Würze die Frucht nach vorn holt.


