Geschmack & Charakter
Im Glas wirkt die rote Vidau eher auf der dunkleren, würzigen Seite als auf der fruchtlauten: schwarze Kirsche, Pflaume, etwas getrocknete Kräuter und oft ein erdiger Zug geben den Ton an. Die Säure ist meist moderat bis frisch genug, um den Wein nicht breit werden zu lassen, ohne schneidend zu sein. Tannin ist je nach Ausbau spürbar, aber eher kernig als grob, mit mittlerem bis kräftigerem Körper und einem Alkoholgefühl, das Wärme bringt, ohne sofort zu drücken. Am Gaumen bleibt oft eine herbe, leicht würzige Spur stehen, mit mittlerem Nachhall und einer trockenen, festen Textur. Insgesamt dominiert also nicht Süße oder Primärfrucht, sondern ein würzig-erdiges Profil mit dunkler Frucht im Hintergrund.
Anbau & Region
Vidau ist eine sehr selten genannte, lokale Spielart aus Spanien; belastbar verortet ist sie vor allem im weiteren Umfeld der Rioja DOCa, wo auch Ihre Ankerweine sitzen. In Rioja Alta und Rioja Alavesa prägen kalkhaltige Ton- und Mergelböden den Stil: Sie bremsen die Wuchskraft, halten Wasser recht gut und geben Weinen meist mehr Frische, straffere Gerbstoffe und eine herbere, rote Frucht statt üppiger Süße. In der wärmeren Rioja Oriental mit mehr alluvialen, eisenhaltigen und teils sandig-lehmigen Böden fallen die Weine oft runder und weicher aus, mit dunklerer Frucht und etwas mehr Alkohol. Das Klima ist insgesamt vom Wechsel aus Atlantik und Mittelmeer geprägt: warme Tage bringen Reife, kühlere Nächte halten Säure und Würze zusammen. Wenn Vidau dort als Verschnittpartner auftaucht, ist der Stil daher eher von saftiger Frucht, mittlerem Körper und der jeweiligen Bodenprägung aus Kalk-Frische oder wärmerer, weicherer Fülle bestimmt.
Passt zu
Vidau wirkt im Glas eher herzhaft als laut, darum passt er gut zu Gerichten mit Röstaromen und etwas Saftigkeit. Schön ist ein Ossobuco mit gremolata: Das geschmorte Fleisch fängt die Struktur des Weins auf, das Mark gibt Fülle, und die Zitronennote der Gremolata zieht Frische nach. Auch Lammkoteletts vom Grill mit Rosmarinkartoffeln funktionieren, weil Eiweiß und Röstaromen die Gerbstoffe abfedern und Kräuter die würzigen Seiten des Weins aufnehmen. Wenn es einfacher sein soll, dann Chorizo mit weißen Bohnen und Paprika; Salz, Fett und leichte Schärfe geben dem Wein Halt, ohne ihn zu erschlagen. Selbst gegrillte Forelle kann gehen, aber nur mit kräftiger Hautröstung und einer rauchigen Paprika-Butter, damit der Wein nicht neben dem feinen Fisch zu breit wirkt.


