Andreas Gälweiler, Allrounder für Weinbau und Kellerwirtschaft beim Weingut Gälweiler, erklärt einen Wein, der schon im Ansatz von der üblichen Logik roter Rebsorten abweicht: den Weingut Gälweiler Blanc de Noir trocken 2024. Die Grundlage ist zu 100 Prozent Spätburgunder, also eine rote Sorte, die hier weiß gekeltert wird. Gälweiler beschreibt den entscheidenden Unterschied zur Rotweinbereitung sehr anschaulich: Normalerweise vergären rote Trauben auf der Maische, also mit den Schalen, aus denen sich nach und nach die Farbstoffe lösen. Beim Blanc de Noir passiert das gerade nicht.
Das heißt eigentlich nur ganz sanft ausgepresst und dann der Ablauf genommen.
So schildert Andreas den Moment, in dem die roten Trauben direkt in die Presse kommen. Der Most, der dabei abläuft, ist nur ganz leicht gefärbt. In der Gärung verändert sich das Bild weiter, weil die Hefe einen Teil der Farbstoffe bindet. Übrig bleibt ein Wein, der fast wie ein Weißwein aussieht, mit nur einem feinen lachsfarbenen Ton. Für Gälweiler ist genau das der Punkt, an dem Herkunft und Ausbauweise auseinanderlaufen: Wer nur ins Glas schaut, würde auf den ersten Blick kaum vermuten, dass hier rote Trauben verarbeitet wurden.
Es ist aber jetzt, dass er aus roten Trauben gekeltert wird, wäre auf den ersten Blick unmöglich zu erkennen.
Im Gespräch lenkt Lars Leistenschneider den Blick dann auf die sensorische Seite.
Ja, von der Aromatik auch ganz anders, wie normalerweise Weißwein Rebsorten.
Auf diesen Punkt antwortet Andreas mit einer Reihe sehr konkreter Eindrücke, die den Wein aus seiner Sicht prägen.
Das erste, was mir eingefallen ist, ist so ein klein bisschen Haselnussaromatik. Das zweite war dann auch so ein bisschen Eisbonbon, was man in der Nase hat.
Dazu kommen für ihn Brioche-Noten und ein insgesamt präsenter Eindruck, der im Mund noch einmal anders wirkt als in der Nase. Gerade diese Verschiebung findet er spannend: Die nussigen Töne bleiben, während das Eisbonbon zurücktritt und brotigere Noten stärker hervorkommen. Entscheidend ist für ihn aber nicht nur das Aroma, sondern die Struktur. Andreas beschreibt den Wein als weich, rund und harmonisch, mit gut eingebundener Säure und ohne störende Tannine.
Er ist weich zu trinken, keine störenden Tannine, also nicht mehr wie jeder Rosé mitbringt.
Damit grenzt er den Blanc de Noir zugleich von zwei Richtungen ab: weder klassischer Rotwein noch bloß als Rosé gedacht. Stattdessen sieht er ihn als eigenständige Form, die besonders Burgundertrinker ansprechen kann, weil sie Substanz mitbringt, ohne hart zu wirken. Die Frische bleibt vorhanden, aber nie spitz; das Finale ist trocken, die Art zu trinken eher geschmeidig als kantig.
Gerade für den Burgundertrinker eigentlich perfekt.
Dass Andreas den Wein nicht nur für Kenner dieser Stilistik spannend findet, macht er zum Schluss deutlich. Für ihn ist der Blanc de Noir auch ein guter Einstieg, um zu verstehen, wie stark Ausbau und Pressung den Charakter einer Rebsorte verändern können. Oder, in seiner einfachen Zusammenfassung: ein Weißer aus roten Trauben — nur eben mit einer eigenen Aromatik und einer sehr klaren Idee dahinter.