Bordeaux, Graves.
Weine aus Bordeaux, Graves: Terroir, Stil & Empfehlungen
Graves liegt südlich der Stadt Bordeaux am linken Ufer der Garonne.
Charakter & Stil
Graves zeigt oft zwei sehr unterschiedliche Gesichter: rot auf Basis von Cabernet Sauvignon und Merlot, weiß aus Sémillon und Sauvignon. Die Rotweine wirken meist mittel bis kräftig im Körper, mit spürbarem, eher trockenem Tannin, frischer bis mittlerer Säure und oft etwas mehr Alkohol; im Glas stehen eher dunkle Früchte wie schwarze Johannisbeere und Pflaume neben Zedernholz, Tabak, Kräutern und einer trockenen, kiesig-erdigen Note. Die Weißweine sind voller und wachsiger als viele andere trockene Bordeaux Blancs, mit mittlerer Säure, gelber Zitrusfrucht, Kernobst, etwas Kräuterwürze und oft einem leicht rauchigen, steinigen Zug; Sémillon bringt dabei Breite, Sauvignon den Zug nach vorn. Im Unterschied zu vielen Weinen aus dem Médoc wirken die Roten aus Graves oft etwas weniger streng und nicht ganz so tanninbetont, dafür erdiger und früher zugänglich; gegenüber Loire-Sauvignon sind die Weißen klar weniger spitz und kräuterlaut, sondern runder und stoffiger. Im Sortiment passt dazu gut der Grand Enclos du Château de Cérons blanc 2010 mit 55 Prozent Sémillon und 45 Prozent Sauvignon, also genau dieser Mischung aus Schmelz und Frische.
Lagen & Sub-Regionen
Innerhalb von Graves sind vor allem drei Ebenen wichtig: die regionale AOC Graves, die kleinere AOC Graves Supérieures für Süßwein und als klar abgegrenzte Kernzone die AOC Pessac-Léognan im Norden rund um Bordeaux. Pessac-Léognan sitzt näher an der Stadt, auf besonders markanten Kies- und Schotterterrassen, und ist meist die dichteste, straffste und langlebigste Ecke der Graves – für Rot aus Cabernet Sauvignon und Merlot ebenso wie für trockene Weißweine aus Sauvignon Blanc und Sémillon. Die weiter südlich liegenden Gemeinden der AOC Graves, darunter Cérons, Barsac und Sauternes als benachbarte bzw. teils überlappende Süßwein-Appellationen am linken Garonne-Ufer, wirken etwas offener und heterogener: mehr Sand, Lehm und gemischte Kiesböden, dazu stärkerer Einfluss von Garonne und Nebenflüssen. Cérons ist dabei vor allem für edelsüße Weine als eigene AOC Cérons bekannt, erzeugt aber in der Praxis auch trockene Weiße und Rote unter Graves. Der große Unterschied in der Graves ist also weniger ein starres Dorf-für-Dorf-Schema als das Zusammenspiel aus nördlicher Kies-Präzision in Pessac-Léognan und der breiteren, bodenmäßig vielfältigeren Süd-Graves mit ihren trockenen und edelsüßen Stilen.
Passt zu
In Graves denkt man beim roten Bordeaux aus Cabernet Sauvignon und Merlot schnell an Entenbrust, Lammkoteletts vom Grill oder ein langsam geschmortes Ossobuco: Das Eiweiß nimmt den Gerbstoffen die Strenge, und die reife Frucht des Jahrgangs 2009 trägt die Röstaromen gut mit. Auch Saumagen kann erstaunlich gut funktionieren, wenn er kräftig gebraten ist, weil Fett und Kruste dem Wein Halt geben und seine Struktur nicht untergehen lassen. Der weiße Graves aus Sémillon und Sauvignon ruft eher nach gegrilltem Wolfsbarsch, Austern oder einer Seezunge in Butter-Zitronen-Sauce, wie man sie an der Atlantikküste nicht weit weg von Bordeaux gerne isst. Die Säure des Sauvignon schneidet durch Butter und Salzigkeit, während Sémillon dem Wein genug Ruhe und Schmelz gibt, um auch cremige Saucen oder ein Huhn mit Estragon zu tragen. Zu Ziegenkäse aus dem Südwesten passt er ebenfalls gut, weil Frische und leichte Wachsigkeitsnoten des Weins mit Salz und Säure des Käses sauber zusammengehen.

