Charakter & Stil
Südafrikanische Weine zeigen oft viel reife Frucht bei klarer Kante: bei Rot meist dunkle Beeren, Pflaume, schwarze Kirsche, dazu häufig Kräuter, Rauch, etwas Erde oder Trockenwürze; bei Weiß eher gelber Apfel, Quitte, Steinobst und Zitrus statt nur knackiger Frische. Im Glas heißt das oft mittlere bis kräftige Körper, spürbares Tannin bei Rot, eine Säure, die trägt ohne spitz zu werden, und Alkohol nicht selten bei 13 bis 14,5 Volumenprozent, in einzelnen Fällen auch darüber. Pinotage spielt dabei eine wichtige Rolle und bringt oft dunkle Frucht, Würze und einen rustikaleren Griff als etwa Merlot oder reine Cabernet-Stile, während Chenin Blanc in Südafrika meist saftiger und gelbfruchtiger wirkt als an der Loire, oft mit mehr Druck am Gaumen. Gegenüber vielen Weinen aus dem Rhône-Süden oder Australien wirkt Südafrika häufig weniger marmeladig und trockener im Eindruck, trotz reifer Frucht und warmem Alkohol. Im Sortiment passt dazu gut Springfontein Chenin Blanc Terroir Selection mit seinen eher moderaten 13 Prozent, während die roten Cuvées und Shiraz von Springfontein mit 14 bis 14,5 Prozent den kräftigeren, würzigeren Pol zeigen.
Lagen & Sub-Regionen
In Südafrika läuft die Herkunft nicht über DOC oder AOC, sondern über das System „Wine of Origin“; wichtig sind hier große Regionen wie Western Cape, darin Districts wie Stellenbosch, Swartland, Paarl, Walker Bay oder Robertson und noch kleinere Wards. Für euer Sortiment ist vor allem Walker Bay spannend, genauer der Ward Upper Hemel-en-Aarde Valley bei Hermanus: kühles, maritimes Klima, viel Wind vom Atlantik und je nach Hang Ton, Schiefer oder auch kalkhaltige Böden – das gibt straffere, salzigere Weißweine und rote Weine mit mehr Frische als im heißen Landesinneren. Stellenbosch wirkt oft strukturierter und dichter, mit Granit- und Sandsteinböden und vielen Hanglagen; Swartland ist trockener und wärmer, bekannt für alte Buschreben, Chenin Blanc und würzige Syrah; Robertson ist sonniger und spielt auf Kalkböden besonders bei Chardonnay und Schaumwein seine Stärke aus. Constantia direkt bei Kapstadt ist nochmals kühler und nebliger, klassisch für Sauvignon Blanc und elegante Süßweine, während Paarl meist wärmer und voller ausfällt. Kurz gesagt: Südafrikas Sub-Zonen unterscheiden sich vor allem über Nähe zum Ozean, Höhenlage und Boden – und genau daraus kommen die Stilunterschiede zwischen straff-kühl und saftig-warm.
Passt zu
Zu Südafrika im Glas denkt man hier am sinnvollsten in zwei Richtungen: Chenin Blanc zu Cape-Malay-Gerichten wie Bobotie oder zu gegrilltem Wolfsbarsch, weil die frische Säure Würze und Fett aufnimmt und salzige, maritime Töne gut mitträgt. Ein Chenin aus dem Cape kann auch erstaunlich gut zu Saumagen funktionieren: Die Säure schneidet durch die rustikale Fülle, ohne das Gericht zu erschlagen. Bei den vielen Pinotage- und Shiraz-Cuvées aus dem Sortiment liegt Braai nahe, also etwa Lammkoteletts vom Grill oder Boerewors; Eiweiß und Röstaromen fangen Tannin und Dichte sauber ab. Kräftigere Blends mit Petit Verdot vertragen auch Ossobuco, weil Gelatine, Schmorjus und Fleischfasern dem Gerbstoff Halt geben. Wenn ein Wein etwas reifer und würziger wirkt, ist auch Bunny Chow mit Lamm eine gute Idee, denn Frucht und Alkohol können die Schärfe abfedern, solange das Curry nicht zu aggressiv ausfällt.
