Geschmack & Charakter
Sousão bringt im Glas meist viel Farbe, spürbares Tannin und eine feste, saftige Säure mit, dazu einen eher vollen Körper und bei Port naturgemäß viel Alkohol, der warm und druckvoll wirkt. Aromatisch dominiert klar die dunkle Frucht: Brombeere, Schwarzkirsche, Pflaume, oft auch Cassis, dazu je nach Ausbau etwas Veilchen, Bitterschokolade und ein herber, leicht erdiger Ton. Die Textur ist dicht und griffig, nicht cremig, sondern mit Zug und Kern, was die Rebsorte trotz Süße oder Reife erstaunlich straff wirken lässt. Im Nachhall bleibt meist dunkle Frucht lange stehen, begleitet von Tanninbiss und einer leicht bitteren, schokoladigen Spur. Gerade in Port aus dem Douro zeigt Sousão deshalb weniger Charme über Süße als über Struktur, Frische und Farbe.
Anbau & Region
Sousão ist heute vor allem im Douro und im Dão wichtig, in Portugal oft noch unter dem alten Namen Vinhão bekannt, auch wenn das nicht überall ganz deckungsgleich gebraucht wird. Im Douro DOC, gerade in heißen, steilen Schieferlagen des Cima Corgo und Douro Superior, ist die Sorte spannend, weil sie trotz Hitze erstaunlich viel Säure hält und sehr dunkle Farbe liefert; der karge, wasserarme Schiefer zwingt die Reben tief zu wurzeln, das ergibt konzentrierte, feste Weine mit schwarzer Frucht, herber Würze und viel Griff – deshalb taucht Sousão oft in Port-Cuvées wie Vintage oder Colheita auf. Im Dão DOC, auf höher gelegenen Granitböden mit kühleren Nächten, wirkt sie meist straffer und weniger wuchtig: mehr Sauerkirsche und Brombeere, dazu eine kühlere, fast eisenartige Frische. In Vinho Verde DOC, wo Vinhão traditionell stärker verbreitet ist, bringen feuchteres Atlantikklima und oft granitische Böden rustikalere, sehr farbintensive Rotweine mit bissiger Säure und kernigem Tannin hervor. Kurz gesagt: Schiefer und Hitze machen Sousão tief, dicht und porttauglich, Granit und kühlere Lagen ziehen die Sorte eher auf die saftige, nervige, kantige Seite.
Passt zu
Sousão ist kein Leisetreter: viel Farbe, viel Säure, oft herbes Tannin, im Port dazu spürbare Süße und Wucht. Gut dazu sind geschmorte Rinderbäckchen oder Ossobuco, weil Gelatine und Eiweiß das Tannin abfedern und die Säure den reichen Jus nicht schwer wirken lässt. Bei gereiftem Tawny oder Colheita funktioniert Entenbrust mit Pflaumensauce sehr gut; die süßlich-nussigen Noten greifen die Sauce auf, während die Frische das Fett der Haut aufräumt. Ein Ruby-Port auf Sousão-Basis kann auch zu Stilton oder Roquefort stark sein, weil Salz und cremige Schärfe die Süße des Weins in Balance bringen. Wenn es Dessert sein soll, dann lieber Bitterschokoladenkuchen mit wenig Zucker als Sahnetorte: dunkler Kakao nimmt die Kraft des Weins auf, zu viel Süße würde ihn dagegen stumpf machen.


