Geschmack & Charakter
Cannonau zeigt im Glas meist reife rote bis dunkle Frucht, oft Kirsche, Pflaume und etwas getrocknete Kräuter, manchmal auch einen leicht warmen, würzigen Ton. Die Säure ist eher moderat als straff, was den Wein weich anlaufen lässt, während die Tannine meist spürbar, aber nicht hart wirken und dem Mundgefühl Griff geben. Dazu kommt ein mittlerer bis voller Körper; mit 14 bis 15 % Alkohol, wie hier im Sortiment, wirkt Cannonau oft breit und warm auf der Zunge. Im Nachhall bleibt häufig eine Mischung aus Frucht, Würze und einer dezent herben Note stehen, eher trocken als saftig. Die Aromatik wird insgesamt klar von dunkler Frucht und mediterraner Würze getragen, weniger von Frische oder floralen Tönen.
Anbau & Region
Cannonau ist auf Sardinien zu Hause, besonders in Cannonau di Sardegna DOC, mit wichtigen Zonen um Nuoro, Ogliastra, Jerzu und im Nordwesten bei Alghero. In den warmen, trockenen Küstenlagen um Alghero, wo auch Weine wie Le Bombarde entstehen, sorgen Sonne, Wind und oft sandige bis kalkhaltige Böden für reife Trauben, viel Alkohol und eine offene, würzige Frucht, die eher auf rote Kirsche, Kräuter und mediterrane Wärme geht als auf kühle Strenge. In den höher gelegenen Bereichen des Ostens, etwa um Jerzu, bremsen Höhenlage und stärkere Tag-Nacht-Unterschiede die Reife etwas, dadurch wirkt Cannonau dort oft straffer, pfeffriger und weniger breit. Auf ärmeren, steinigen Granit- und Schieferböden bleiben die Beeren kleiner, die Schalen dicker, und das gibt mehr Gerbstoff, dunklere Würze und ein rustikaleres Profil. Wo mehr Kalk und sandige Anteile im Spiel sind, wird der Wein meist heller im Duft, salziger im Eindruck und etwas leichter im Tannin, was auch bei sardischen Rosati aus Cannonau spürbar sein kann.
Passt zu
Cannonau mag Gerichte mit Röstaromen und etwas Saftigkeit, etwa Ossobuco mit Tomate und Kräutern oder gegrillte Lammkoteletts mit Rosmarin. Das funktioniert, weil die warme Frucht und die meist reifen Tannine gut an Eiweiß andocken, während die Würze des Weins Kräuter, Schmorsäfte und leicht angebrannte Stellen schön aufnimmt. Auch gegrillte Forelle oder Sardinen vom Rost können sehr gut passen, vor allem zu einer frischeren, jüngeren Art wie Le Bombarde: Die Säure hält das Öl der Haut und das Fett des Fisches im Griff, ohne die feinen Raucharomen zu erschlagen. Zur Riserva mit mehr Dichte und Alkohol passt eher etwas Kräftigeres wie sardinisches Spanferkel, geschmorte Auberginen oder reifer Pecorino, weil der Wein genug Druck mitbringt, um Salz, Fett und Umami nicht klein wirken zu lassen. Wenn es etwas einfacher sein soll, funktioniert auch Pasta alla Norma erstaunlich gut: Tomate und Aubergine greifen die Frucht und die herbe Kante des Weins auf.


