Geschmack & Charakter
Cariñena bringt im Glas meist eine dunkle, herbe Frucht mit, oft eher Schwarzkirsche, Brombeere und Pflaume als rote Beeren, dazu nicht selten etwas Kräuterwürze, Erde und ein leicht trockener, steiniger Zug. Die Säure ist in der Regel klar und spürbar, oft straffer als bei vielen anderen mediterranen Sorten, was den Wein trotz viel Reife nicht breit werden lässt. Tannin ist meist deutlich vorhanden, eher kernig als samtig, besonders wenn die Rebe aus warmen, kargen Lagen kommt. Der Körper geht oft in Richtung mittel bis kräftig, beim Alkohol nicht selten auf der warmen, spürbaren Seite, wie man es auch aus Priorat kennt. Im Nachhall bleibt häufig dunkle Frucht, Würze und ein leicht mineralisch-herber Eindruck stehen, manchmal mit einem trockenen Griff am Gaumen.
Anbau & Region
Cariñena, in Frankreich Carignan, zeigt ihren markantesten Ausdruck im Priorat D.O.Ca., besonders um Bellmunt, Gratallops oder Torroja: Dort zwingt der karge Llicorella-Schiefer die Reben tief nach Wasser zu suchen, und genau das gibt den Weinen diese dichte, dunkle Frucht, salzige Würze und den trockenen, steinigen Zug im Tannin. Das heiße, trockene Klima hält die Beeren klein und konzentriert, die kühlen Nächte in den Höhenlagen bewahren aber genug Säure, damit der Wein trotz Kraft nicht breit wird. In Montsant D.O. wirkt Cariñena auf ähnlichen Schiefer- und Kalkböden oft etwas saftiger und weniger streng, mit mehr roter Frucht und Kräutern als im kernigeren Priorat. In Aragón, rund um die D.O.P. Cariñena und Calatayud D.O.P., steht die Sorte häufig auf Kalk, Geröll und eisenhaltigen Böden unter kontinentalem Klima mit Wind und großen Temperatursprüngen; das ergibt rustikalere, pfeffrige Weine mit fester Säure und weniger Schmelz. Alte Buschreben sind bei Cariñena entscheidend, weil sie den natürlichen Ertrag zügeln: Erst dann wird aus der Sorte nicht nur Gerbstoff und Säure, sondern wirkliche Tiefe.
Passt zu
Cariñena aus dem Priorat ruft nach Gerichten mit Substanz: Ossobuco funktioniert sehr gut, weil das geschmorte Fleisch und das Mark im Knochen dem Wein genug Eiweiß und Fett geben, damit seine Tannine runder wirken. Auch Lammkoteletts vom Grill mit Rosmarin passen, weil Röstaromen und Kräuter die dunkle, herbe Seite der Rebsorte aufnehmen, während die Säure das Fett aufräumt. Zu geschmorten Auberginen mit Tomate und schwarzen Oliven ist das ebenfalls stimmig: Die dichte Frucht hält gegen das Umami, die Säure gegen die Schmorsüße. Wenn Fisch, dann eher gegrillte Forelle mit Kräutern und knuspriger Haut nur bei den zugänglicheren, weniger massiven Varianten – zu viel Tannin und Alkohol würden den feinen Fisch sonst erschlagen. Sehr gut ist auch eine Linsenschmorpfanne mit Chorizo, weil Würze, Rauch und Protein dem Wein Halt geben und seine Kraft nicht ins Leere läuft.


