Geschmack & Charakter
Lambrusco Marani bringt meist dunkle Frucht ins Glas, vor allem Schwarzkirsche, reife Brombeere und etwas Pflaume, oft mit einem herben Zug von Veilchen oder bitterer Schale. Die Säure ist spürbar, aber nicht spitz; sie hält den Wein saftig und gibt gerade den amabile oder dolce ausgebauten Varianten Halt gegen die Süße. Tannin ist in der Regel niedrig bis moderat und wirkt eher als leichter Griff auf der Zunge als als Gerbstoffkante, der Körper bleibt dabei schlank bis mittel. Der Alkohol ist meist moderat, oft unter oder um 11 Volumenprozent, was den Eindruck frisch und trinkig hält. Im Nachhall bleibt vor allem dunkle Beerenfrucht, je nach Ausbau trocken-herb oder mit süßlichem Ausklang, dazu das typische frizzante-Prickeln, das die Textur locker und leicht cremig macht.
Anbau & Region
Lambrusco Marani ist in der Emilia-Romagna zu Hause, vor allem rund um Reggio Emilia in der DOP Lambrusco Reggiano, wo auch Weine wie Pra di Bosso entstehen. Das Klima ist hier warm, aber nicht trocken-heiß: Die Nähe zum Po und die Luftströme vom Apennin halten die Nächte etwas kühler, deshalb bleibt bei der Reife genug Säure für den typischen frischen, saftigen Stil. Viele Weinberge stehen auf alluvialen Böden aus Lehm, Schluff und Sand; Lehm gibt dem Wein Farbe, Griff und etwas erdige Würze, sandigere Anteile machen ihn duftiger und leichter im Mund. Genau daraus kommt oft dieser direkte Stil mit dunkler Frucht, Veilchen, wenig Gerbstoff und einer Schaumkrone, die nicht dekorativ sein will, sondern die Frucht anhebt. In einfacheren IGP- oder frizzante-Versionen wirkt Marani meist weicher und fruchtbetonter, in sauber gemachten Reggiano-DOP-Weinen etwas straffer und herber.
Passt zu
Ein trockener Lambrusco Marani wie der Pra di Bosso Secco ist sehr gut zu Ossobuco mit Gremolata: Die frische Säure und das Mousseux schneiden durch Mark, Butter und Schmorensaft, während die herbe rote Frucht dem Gericht nicht die Schau stiehlt. Auch zu gegrillter Salsiccia mit Linsen funktioniert er stark, weil die leichte Gerbstoffkante und die Kohlensäure das Fett auffangen und Salz wie Fenchelsaat schön tragen. Die amabile und dolce Varianten sind dagegen besser bei würzigen Tellern wie scharfer Salami-Pizza oder BBQ-Hähnchenschenkeln mit glasierten Zwiebeln, weil die Restsüße Schärfe und Röstaromen abfedert. Der rosato amabile passt gut zu gegrillter Forelle oder Mortadella mit Pistazien, da seine mildere Art, kühle Frucht und feine Perlage mit zartem Fisch und cremiger Wurst leichter umgehen als ein strengerer Rotwein.


