Charakter & Stil
Toscana im Glas heißt hier vor allem Sangiovese: rote Kirsche, Sauerkirsche, etwas Pflaume, dazu oft getrocknete Kräuter, Veilchen und ein erdiger, leicht staubiger Zug. Typisch sind frische bis straffe Säure, spürbares, eher trockenes Tannin, ein mittlerer bis kräftiger Körper und meist moderater Alkohol um 13 Prozent statt Schwere. Gegenüber vielen südlicheren italienischen Rotweinen wirkt das weniger reif und dunkel, dafür herber, kerniger und mehr auf rote Frucht und Kräuter gebaut als auf süße Schwarzkirsche oder Marmelade. Im Vergleich zu Piedmont ist das Tannin meist etwas weniger hart, die Frucht offener und die Weine früher zugänglich, ohne weich zu werden. Ein Chianti Classico wie die Weine von Cantalici zeigt das ziemlich klar: Kirsche vorneweg, trockener Griff am Gaumen, dazu Kräuter und ein erdiger Nachhall.
Lagen & Sub-Regionen
Die Toscana ist kein einheitlicher Block, sondern ein Mosaik aus Appellationen mit klar eigenem Profil: zentral liegt das Chianti-Classico-Gebiet zwischen Florenz und Siena, dazu kommen Chianti DOCG mit seinen Unterzonen, Brunello di Montalcino DOCG, Vino Nobile di Montepulciano DOCG, Bolgheri DOC an der Küste, Maremma Toscana DOC im Süden und die breite Toscana IGT für Weine außerhalb enger DOCG-Regeln. Chianti Classico unterscheidet sich schon intern stark: höhere, kühlere Lagen um Radda oder Gaiole auf Galestro und Alberese wirken oft straffer, kräutriger und säurebetonter, während tiefere, wärmere Zonen um Castelnuovo Berardenga reifere Frucht und mehr Fülle bringen. Montalcino ist meist wärmer und trockener; rund um den Ort und in den höher gelegenen Nordlagen entstehen frischere, feinere Brunelli, im südlichen und südwestlichen Teil oft dunklere, kräftigere Versionen. Montepulciano sitzt auf anderen Böden und etwas anderen Höhen, Vino Nobile wirkt deshalb oft etwas weicher und erdiger als Brunello, bleibt aber klar vom Sangiovese geprägt. An der Küste verschieben Bolgheri DOC und teils auch Maremma Toscana DOC das Bild deutlich: mehr maritimer Einfluss, mehr Wärme, häufig Bordeaux-Sorten oder internationale Cuvées, während Toscana IGT genau diesen Freiraum für Weine jenseits der klassischen Herkunftsregeln bietet.
Passt zu
Zu den Sangiovese-geprägten Weinen aus der Toscana passen zuerst Dinge, die dort ohnehin auf den Tisch kommen: Bistecca alla Fiorentina, Pappardelle al cinghiale oder eine schlichte Ribollita mit viel Olivenöl. Die lebendige Säure von Sangiovese schneidet durch Fett und Schmorigkeit, deshalb funktioniert auch Ossobuco sehr gut, selbst wenn es eher aus der Lombardei stammt. Das Tannin greift Eiweiß und Röstaromen auf, darum sitzt gegrilltes Lammkotelett mit Rosmarin oft stimmiger als feine, zarte Gerichte. Wenn es tomatiger wird, etwa bei Pappa al pomodoro oder Lasagne al forno, hilft die Säure des Weins, damit Sauce und Wein nicht gegeneinander arbeiten. Gegrillter Wolfsbarsch ist meist zu fein für diese Weine, und Saumagen wirkt schnell rustikal in die falsche Richtung, weil dem Gericht die saftige Säurebrücke und die dichte Eiweißstruktur für den Wein oft fehlen.


