Charakter & Stil
Côtes du Roussillon ist im Glas meist rot, warm und würzig: oft viel Grenache, dazu Syrah und Mourvèdre, also reife dunkle Frucht wie Brombeere, Schwarzkirsche und Pflaume, daneben Garrigue, schwarzer Pfeffer, manchmal etwas Lakritz und warme Erde. Die Säure bleibt eher moderat als straff, der Körper ist mittel bis kräftig, die Tannine sind spürbar, aber meist rund und trocken statt hart, und 14 bis 14,5 Prozent Alkohol sind hier keine Ausnahme. Im Vergleich zu vielen Weinen aus dem südlichen Rhône wirkt Roussillon oft sonnenreicher und herber mediterran, mit mehr Kräuterwürze und häufiger etwas mehr Wärme im Mund, ohne in marmeladige Süße kippen zu müssen. Gegenüber Languedoc wirkt es oft kompakter und mineralischer, weniger saftig-fruchtig, mehr auf dunkle Frucht, Stein und Kräuter gebaut. Ein Wein wie Les Orris mit Grenache, Mourvèdre und Syrah zeigt das ziemlich gut: dunkle Frucht, Würze, Kraft und ein trockenes, leicht salziges Finale.
Lagen & Sub-Regionen
Côtes du Roussillon ist selbst eine AOC im Roussillon; innerhalb davon ist vor allem Côtes du Roussillon Villages wichtig, dazu kommen benannte Herkunftszusätze wie Caramany, Latour-de-France, Les Aspres, Tautavel und Lesquerde. Die Unterschiede sind ziemlich greifbar: im warmen, trockenen Hinterland auf Schiefer, Gneis, Kalk und kargen Terrassen entstehen meist dunklere, würzigere, kräftigere Rotweine, oft auf Basis von Grenache, Syrah und Mourvèdre, wie man es auch bei vielen Weinen von Boucabeille sieht. Les Aspres im Süden wirkt mediterran und windoffen, oft etwas Garrigue-würzig und sonnenreif; Caramany und Latour-de-France sind durch Schiefer und Höhenlagen häufig straffer, mineralischer und markanter in den Tanninen. Tautavel und Lesquerde liegen noch trockener und steiniger, mit viel Wärme am Tag, was oft dichte, herzhafte Weine ergibt. Daneben grenzt Collioure als eigenständige AOC direkt ans Meer und zeigt meist noch mehr salzige Frische, während Maury für verstärkte Süßweine bekannt ist, heute aber auch trockene Rotweine aus ähnlicher, schroffer Landschaft liefert.
Passt zu
Zu roten Côtes du Roussillon mit viel Grenache, Syrah und Mourvèdre passen Gerichte mit Röstaromen und etwas Saft: Ossobuco funktioniert gut, weil das geschmorte Fleisch dem Tannin Halt gibt und die Säure durch Mark und Schmorjus schneidet. Sehr naheliegend aus dem Roussillon sind Lammkoteletts vom Grill mit Thymian oder eine Catalane aus geschmortem Lamm und Tomate; die Kräuter greifen die Garrigue-Noten auf, das Eiweiß puffert die Struktur des Weins. Auch Entenbrust mit Oliventapenade oder gegrillte Salsiccia mit weißen Bohnen sind starke Partner, weil Salz und Fett die Frucht voller wirken lassen. Wenn es deftiger deutsch werden soll, geht sogar Saumagen, vor allem zu etwas gereifteren, nicht zu harten Jahrgängen: Die Würze und das Fett nehmen den Alkohol besser auf, während die Frische den Bissen sauber hält. Gegrillter Wolfsbarsch ist dagegen eher etwas für die wenigen weißen oder roséfarbenen Weine der Gegend, nicht für diese roten Cuvées.


