Geschmack & Charakter
Sankt Laurent bringt meist eine dunkelfruchtige, eher kühle Aromatik ins Glas: oft Kirsche, Pflaume, Brombeere, dazu nicht selten etwas Veilchen, Kräuter und ein Hauch Erde. Die Säure ist in der Regel spürbar, aber nicht schneidend, und hält die Frucht straff, gerade bei den leichteren, einfacheren Ausbauten aus der Pfalz. Beim Tannin geht es selten grob zu; meist ist es fein bis mittelkörnig und eher zurückhaltend, mit einem Körper im mittleren Bereich und Alkohol hier meist um 12 bis 13 Volumenprozent. Im Mund wirkt das oft saftig statt schwer, mit dunkler Frucht als Leitlinie und einer leicht herben, manchmal würzigen Spur im Hintergrund. Der Nachhall ist meist mittellang und klingt eher auf Frucht, Kräuter und etwas Kernigkeit aus als auf Süße oder Holz.
Anbau & Region
Sankt Laurent fühlt sich in Mitteleuropa am wohlsten, besonders in der Pfalz und in Österreich, dort vor allem im Burgenland und in Niederösterreich; wichtige Herkünfte sind etwa die Thermenregion DAC oder Leithaberg DAC. In der Pfalz wächst er oft auf Löss, Kalk und Buntsandstein: Löss gibt mehr Saft und weiche Frucht, Kalk zieht die Linie straffer und bringt etwas mehr Biss, Buntsandstein macht die Weine oft heller, würziger und schlanker. Im Burgenland, rund um den Neusiedlersee, kommen dazu pannonische Wärme und teils kalkreiche, lehmige Böden, was Sankt Laurent dunkler, reifer und dichter wirken lässt, ohne dass die Sorte ihre kühle Kirschfrucht ganz verliert. In der Thermenregion mit viel Kalk und Schotter wird er häufig feiner und trockener im Eindruck, mit mehr Säurezug und einer eher herben Würze. Insgesamt ist das eine Sorte, bei der man Boden und Klima ziemlich direkt im Glas merkt: warm und lehmig heißt mehr dunkle Frucht und Fülle, kühler und kalkiger eher Sauerkirsche, Spannung und ein strafferes Tannin.
Passt zu
Sankt Laurent passt sehr gut zu Entenbrust mit knuspriger Haut, weil seine dunkle Frucht und die oft feine Würze das kräftige Fleisch tragen, während die Säure das Fett aufräumt. Auch zu Pilzrisotto funktioniert er gut: Die erdigen Noten von Steinpilzen oder Champignons greifen die herbere Seite der Rebsorte auf, und die meist weichen Tannine überfahren den cremigen Reis nicht. Klassisch und sehr stimmig ist ein Teller Ossobuco, denn Eiweiß und Schmorjus puffern das Tannin, zugleich bringt die Säure Frische in das langsam geschmorte Gericht. Wenn der Sankt Laurent fruchtiger ausgebaut ist, darf auch eine leicht glasierte Entenkeule oder ein Zwiebelkuchen auf den Tisch, weil die Frucht kleine Süße im Essen gut aufnimmt, ohne schwer zu wirken. Weniger ideal ist gegrillte Forelle: Das feine Fischfleisch wirkt neben rotem Sankt Laurent schnell schmal, und Tannin plus Fischöl kann einen leicht metallischen Eindruck geben.


