Geschmack & Charakter
Montepulciano zeigt sich im Glas meist dunkel, saftig und klar auf dunkle Frucht gebaut: Schwarzkirsche, Pflaume, Brombeere, oft dazu etwas Veilchen, Kräuter und ein herber Ton von Kakao oder Lakritz. Die Säure ist in der Regel mittel bis eher präsent, genug für Zug, aber selten spitz; die Tannine sind spürbar, reif und leicht körnig, bei einfachen Weinen weicher, bei konzentrierteren fester am Gaumen. Der Körper liegt meist im mittleren bis vollen Bereich, mit Alkohol oft um 13 Prozent, was dem Wein Dichte gibt, ohne ihn automatisch schwer zu machen. Im Nachhall bleibt meist dunkle Frucht, manchmal auch eine leicht bittere, mandelige oder würzige Spur. Dominant ist fast immer die Familie der schwarzen und blauroten Früchte, getragen von einer erdigen bis würzigen Tiefe.
Anbau & Region
Montepulciano ist in den Abruzzen am klarsten zu Hause, vor allem in Montepulciano d’Abruzzo DOP und in den besseren Hügelzonen wie Colline Teramane Montepulciano d’Abruzzo DOCG. Das Klima dort ist ein Spannungsfeld aus Adria und Apennin: warme Tage schieben Reife, kühle Nächte halten die Säure wach, deshalb wirken die Weine oft dunkel und saftig, aber nicht breit. Auf kalkhaltigen Lehmböden und tonigen Mergeln bekommt Montepulciano viel Farbe, griffiges Tannin und diese herbe Kirsche, Pflaume und oft auch eine leicht erdige Note; mehr Sand im Boden macht ihn meist etwas früher zugänglich und weniger wuchtig. In den höher gelegenen, besser belüfteten Lagen der Provinz Teramo fällt der Stil oft straffer und würziger aus, während südlichere oder wärmere Parzellen Richtung Pescara und Chieti mehr Fülle und weichere Frucht bringen. Außerhalb der Abruzzen spielt die Sorte auch in den Marken und Molise eine Rolle, oft unter einfacheren DOCs oder IGT/IGP, aber ihr deutlichstes Profil zeigt sie meist dort, wo Kalk, Lehm und der Wechsel von Meeresluft und Bergkühle zusammenkommen.
Passt zu
Montepulciano aus den Abruzzen mag Gerichte mit Saft, Röstaromen und etwas Zug am Gaumen: Ossobuco funktioniert stark, weil das geschmorte Fleisch und das Mark vom Eiweiß und Fett leben, die das Tannin runder wirken lassen. Auch Lammkoteletts vom Grill mit Rosmarinkartoffeln passen gut, denn die dunkle Frucht des Weins nimmt die Röstaromen auf, während die Säure das Fett sauber hält. Sehr stimmig ist auch Pasta al ragù, gern mit Salsiccia oder Rind, weil Tomatensäure und Schmorwürze dem Wein eine klare Bühne geben, ohne ihn auszutrocknen. Zu Auberginen-Parmigiana klappt Montepulciano ebenfalls, da Schmelz, Tomate und gebackene Kanten seine herzhafte Seite aufnehmen. Weniger gut ist gegrillte Forelle: Das feine Fischfleisch wirkt neben Tannin und dunkler Frucht schnell metallisch und hart.


