Tempranillo ist Spaniens rote Leitrebsorte: meist dunkelrubinfarben, mit eher feiner als brachialer Tanninstruktur und einer Frucht, die an Kirsche, Pflaume und rote Beeren erinnert.
Auf einen Blick
Herkunft
Spanien, Rioja
Farbe
Rot
Alkohol
13–15 %
Synonym
Tinta del País
Kapitel I
Geschmack & Charakter
Tempranillo zeigt sich hier meist mit dunkler Frucht im Vordergrund: Kirsche, Pflaume, Brombeere, dazu oft trockene Gewürze, etwas Tabak, Leder oder Vanille vom Ausbau. Die Säure liegt eher im mittleren Bereich und hält den Wein in Bewegung, ohne spitz zu wirken; beim Tannin reicht das Spektrum von weich und rund bis spürbar griffig, je nach Ausbau und Herkunft. Am Gaumen hat das oft mittleren bis vollen Körper, mit spürbarer Dichte und einem Alkohol, der bei vielen Beispielen aus Rioja und Ribera del Duero klar mitredet. Das Mundgefühl ist meist saftig, zugleich von feinem bis kernigem Gerbstoff eingerahmt. Im Nachhall bleiben dunkle Frucht, Gewürz und häufig eine trockene, leicht erdige oder holzige Spur noch eine gute Weile stehen.
Kapitel II
Anbau & Region
Tempranillo zeigt seinen Kern in Spaniens Norden am klarsten: in Rioja DOCa, vor allem in Rioja Alta und Rioja Alavesa, wo kalkhaltige Ton- und Lehmböden Frische halten und die Tannine feiner wirken lassen; daraus kommen oft Kirsche, rote Pflaume, etwas Kräuterwürze und die Fähigkeit, Holz gut aufzunehmen, ohne schwer zu werden. In wärmeren Teilen der Rioja Oriental reift die Traube voller aus, auf alluvialen und eisenhaltigen Böden werden die Weine dunkler, weicher und alkoholreicher. In Ribera del Duero DO wächst Tempranillo als Tinto Fino auf einem Hochplateau mit heißen Tagen, kalten Nächten und viel Kalk, Sand und Kies: das gibt dickere Schalen, mehr Farbe, strafferes Tannin und meist mehr schwarze Frucht als in Rioja. Auch in Cariñena DO steht Tempranillo, dort schieben Wärme und Trockenheit den Alkohol oft deutlich nach oben; auf kargen, steinigen Böden werden die Weine kräftig, reif und eher breit als filigran. Außerhalb Spaniens spielt die Sorte eine Rolle im portugiesischen Douro als Tinta Roriz, wo Schiefer Hitze speichert und konzentrierte, würzige Weine mit festem Kern fördert.
Kapitel III
Passt zu
Tempranillo mag Gerichte mit Röstaromen und etwas Saft: Lammkoteletts vom Grill, Ossobuco oder ein Iberico-Kotelett funktionieren sehr gut, weil das Eiweiß und das Fett das Tannin abfedern und der Wein daneben fruchtiger wirkt. Bei Rioja mit Reife und Holz passen auch geschmorte Rinderbäckchen oder Entenbrust mit Ofengemüse, weil die würzigen, oft leicht tabakigen Noten des Weins die Schmor- und Röstaromen aufnehmen. Jüngere, fruchtigere Tempranillos können erstaunlich gut zu Chorizo in Tomatensauce oder gefüllten Paprika, weil ihre Säure die Süße der Tomate ordnet und genug Körper für die Würze da ist. Weniger ideal ist gegrillte Forelle: Das feine Fischfleisch wirkt neben Tannin und Alkohol schnell trocken, da ist ein leichterer, weißer Wein meist stimmiger. Gut funktionieren dagegen Manchego, Jamón Ibérico und Pilz-Croquetas, weil Salz, Umami und cremige Textur dem Wein Halt geben.
Tempranillo schmeckt oft nach dunklen Kirschen, Pflaumen und etwas Erde oder Tabak. Je nach Ausbau kommen Vanille, Leder oder Röstaromen dazu. Jüngere Weine wirken meist fruchtiger und saftiger, gereifte eher würziger und runder.
02
Bei welcher Temperatur sollte man Tempranillo trinken?
+
Am besten leicht gekühlt bei etwa 16 bis 18 °C. Kräftigere oder reifere Tempranillos vertragen auch eher 17 bis 18 °C, damit sie nicht zu hart wirken. Zu warm wirkt der Alkohol schnell breiter.
03
Was passt zu Tempranillo dazu?
+
Tempranillo geht gut zu gegrilltem oder geschmortem Fleisch, Lamm, Chorizo und Tapas mit Paprika oder Pilzen. Auch kräftige Eintöpfe und gereifter Manchego funktionieren gut. Bei leichteren, jüngeren Varianten gehen auch Pasta mit Tomatensauce oder Ofengemüse.
04
Wie lange ist Tempranillo lagerfähig?
+
Das hängt stark vom Ausbau ab. Ein einfacher Joven ist meist für die ersten paar Jahre nach der Flasche gedacht, Crianza und Reserva oft deutlich länger. Gute Weine aus Rioja oder Ribera del Duero können je nach Jahrgang und Lagerung viele Jahre reifen.
05
Was ist der Unterschied zwischen Tempranillo aus Rioja und Ribera del Duero?
+
Rioja wirkt oft etwas eleganter und runder, mit mehr feiner Würze und häufig klarer Holznote. Ribera del Duero ist oft dunkler, dichter und etwas muskulöser im Auftritt. Das sind aber keine festen Regeln, weil Ausbau und Stil der Bodega viel ausmachen.