Geschmack & Charakter
Chardonnay zeigt hier meist mittleren bis vollen Körper, mit klarer, tragender Säure und ohne jedes Tannin im eigentlichen Sinn. Im Glas steht oft die gelbfruchtige Seite vorne: Apfel, reife Zitrone, Birne, dazu je nach Ausbau auch etwas Brioche, Nuss oder ein Hauch Butter. Die Textur kann von straff und kreidig bis cremig und dicht reichen, gerade wenn Holz oder langes Hefelager im Spiel ist. Alkohol wirkt bei den Schaumweinen eher schlank eingebunden um 12 Volumenprozent, bei den stillen Reserven spürbar wärmer und voller. Der Nachhall ist oft trocken, zitrisch und salzig-mineralisch, manchmal auch mit einer leicht rauchigen oder hefigen Spur.
Anbau & Region
Chardonnay zeigt ziemlich klar, wo er wächst: In der Champagne AOC, vor allem in der Côte des Blancs mit Grand-Cru-Dörfern wie Le Mesnil-sur-Oger, trifft kühles Klima auf Kreide und Belemnit-Kalk, das gibt straffe Säure, feine Salzspur und diesen trockenen, kreidigen Zug, der Blanc de Blancs so präzise macht. Im Burgund, etwa in der Bourgogne AOC oder weiter südlich in der Mâconnais, bringen Kalkmergel und etwas wärmere Lagen mehr gelbe Frucht, Nuss und Schmelz, ohne dass die Rebsorte ihre Spannung ganz verliert; bei Crémant de Bourgogne bleibt davon oft eher Frische und ein zarter Apfel-Zitrus-Ton im Glas. In Rheinhessen, wie bei besseren Chardonnay-Parzellen rund um kalkreiche Böden, sorgt das etwas wärmere, trockenere Klima für reifere Birnen- und Steinobstnoten, während Kalk und Löss trotzdem Rückgrat und eine kühle, leicht salzige Linie liefern. In Südafrika, etwa in kühleren Küstenzonen mit Kalksteinböden wie am Cape South Coast, wird Chardonnay meist breiter und sonniger, aber der Kalk hält die Weine oft saftig und strukturiert, statt sie ins Fette kippen zu lassen. Gerade bei dieser Sorte ist der Unterschied zwischen Kreide, Kalkmergel und wärmeren Standorten nicht Theorie, sondern direkt schmeckbar.
Passt zu
Chardonnay ist breit genug für sehr verschiedene Teller: Ein straffer Blanc de Blancs oder Crémant sitzt sehr gut zu gegrillter Forelle mit Zitronenbutter, weil Säure und Mousseux das Fett auffrischen und die feine Hefe den Röstaromen etwas entgegenstellt. Ein ruhiger, etwas kräftiger Chardonnay wie die Thörle Réserve mag Hähnchen in Rahmsauce oder Kalbsfrikassee, weil Schmelz und Holzton die cremige Sauce aufnehmen, während die Säure das Gericht nicht müde werden lässt. Zu gebratenen Jakobsmuscheln mit Blumenkohlpüree funktioniert das ebenfalls gut: Die zarte Süße der Muschel trifft auf die Frucht, das Püree auf die Textur des Weins. Wenn der Chardonnay reifer und voller ausfällt, geht auch Schweinekotelett mit Salbeibutter oder ein helles Pilzrisotto, weil hier weniger Tannin gefragt ist als Druck, Saft und ein guter Zug im Mund.


